Gedichtinterpretation

  • Hallo zusammen! Ich habe hier eine Aufgabe zu Gedicht von Bertolt Brecht: Über das Frühjahr. Es ist nur eine Teilaufgabe.
    a) Beschreiben Sie den Inhalt und Aufbau des folgenden Gedichts.

    Über das Frühjahr

    Lange bevor
    Wir uns stürzten auf Erdöl, Eisen und Ammoniak
    Gab es in jedem Jahr
    Die Zeit der unaufhaltsam und heftig grünenden Bäume.

    Wir alle erinnern uns
    Verlängerter Tage
    Helleren Himmels
    Änderung der Luft
    Des gewiß kommenden Frühjahrs.

    Noch lesen wir in Büchern
    Von dieser gefeierten Jahreszeit
    Und doch sind schon lange
    Nicht mehr gesichtet worden über unseren Städten
    Die berühmten Schwärme der Vögel.

    Am ehesten noch sitzend in Eisenbahnen
    Fällt dem Volk das Frühjahr auf.
    Die Ebenen zeigen es
    In aller Deutlichkeit.
    In großer Höhe freilich

    Scheinen Stürme zu gehen:
    Sie berühren nur mehr
    Unsere Antennen.

    Folgendes habe ich erarbeitet:

    a) In seinem Stadtgedicht „Über das Frühjahr“ aus dem Jahr 1928 macht der Dichter Bertolt Brecht auf die Industrialisierung des Landes und die Ausbeutung der Natur sowie die Entfremdung des Menschen von der Natur in der Zeit der Weimarer Republik zum Thema. Es war die Zeit der nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und Aufstieg Deutschlands zu einer Industriemacht.

    Bei dem Gedicht handelt es sich um eine einzige Strophe, die aus 22 reimlosen Versen zusammengesetzt ist und weist kein Bestimmtes Metrum auf. Die meisten Versen sind kurz gehalten, bis auf die Versen 2,4 und 13. Es gibt insgesamt 6 Enjambements die unterschiedliche Kadenzen aufweisen. Der Dichter wollte den Sinnzusammenhang über die Versgrenze weiterführen, die Monotonie des Versmaßes, der sonst im Zeilenstil Satz und Vers vereint, wird durchbrochen. Das Enjambement in der Zeile 1 – 4 weisen Kadenzen in der Reihenfolge männlich, weiblich, männlich weiblich auf, in der Zeile 5 – 9 sind es überwiegend weibliche Kadenzen, außer in der Zeile 8, die ist männlich. Das Enjambement in der Zeilen 10 – 14 enthält überwiegend weibliche Kadenzen, außer in der Zeile 11. Im nächsten Enjambement, Zeile 15 u. 16, sind es weibliche Kadenzen und in der Zeilen 17 u. 18 sind es eine weiblich und eine männliche. Im letzten Enjambement, Zeile 19 – 22, sind es nur weibliche. Die Zweite Verse weist als einzige eine Zäsur auf.

    Beim genauen Lesen fällt auf, dass die Versen 1 – 9 die Erinnerung an das Frühjahr aus der Vergangenheit beschreibt und ab Zeile 10 – 22 wird die Gegenwart, zur Zeit des Dichters, beschrieben. Der Dichter wählte als Lyrisches Genre das Erzählgedicht, da er mit diesem Gedicht auf das Alltägliche verweisen möchte, ohne dabei dramatisch zu klingen. Zur Sprachhaltung wurde die Elegie gewählt, um seine Trauer über die zerstörerische Ausbeutung der Natur und seiner Sehnsucht nach ihr zu verleihen. Das gesamte Gedicht wurde im lyrischen ich geschrieben. Das erkennt man an den Wörtern „Wir“ (Zeile 2,5,10), „unsere“ (Z. 13) und „Unsere“ (Z.22). Damit stellt der Verfasser seinen Bezug zum erzählten, dass er mitten drin in dieser Zeit sich aufhält.


    Kann jemand, der sich gut auskennt, sich meine Lösung anschauen und mir sagen was noch fehlt, was und wie verbessert werden kann o. soll usw.
    Danke im Voraus!

  • Ich finde, deine Lösung der Aufgabe ist ein bisschen kurz geraten. Auf eine Beschreibung des Inhalts verzichtest du fast gänzlich. Bei der Formanalyse übergehst du die Hälfte. Auf die Bildsprache gehts du nicht ein. Das 5-Fache deines Textes würde ich vom Umfang her als angemessen empfinden.

    Zitat

    Beim genauen Lesen fällt auf, dass die Versen 1 – 9 die Erinnerung an das Frühjahr aus der Vergangenheit beschreibt und ab Zeile 10 – 22 wird die Gegenwart, zur Zeit des Dichters, beschrieben.


    Hier wäre eine Begründung ganz dienlich. Vielleicht sieht das nicht jeder so.

    Zitat

    Das gesamte Gedicht wurde im lyrischen ich geschrieben. Das erkennt man an den Wörtern „Wir“ (Zeile 2,5,10), „unsere“ (Z. 13) und „Unsere“ (Z.22).


    Hier belegst du zwar deine Aussage, aber es ist allzu offensichtlich, dass es nicht so ist. Das "Volk" fällt doch aus dem Schema. Die Frage ist auch, ob "Wir" = "Ich" ist.

  • So. Hab das Ganze nochmal überarbeitet. Hoffe diesmal kriege ich nicht nur abwertende Bemerkungen, sondern auch einige Tipps und Verbesserungsvorschläge. Danke!

    In seinem Gedicht „Über das Frühjahr“ aus dem Jahr 1928 macht der Dichter Bertolt Brecht auf die Industrialisierung des Landes und die Ausbeutung der Natur sowie die Entfremdung des Menschen von der Natur in der Zeit der Weimarer Republik zum Thema. Es war die Zeit der nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und Aufstieg Deutschlands zu einer Industriemacht.

    In seinem Gedicht schlüpft der Dichter in die Rolle des Erzählers, ohne dabei in das Geschehen einzugreifen. Das lyrische Ich in diesem Gedicht, erkennbar an den Versen 2 „Wir uns“, 5 „Wir alle“ oder 10 „lesen wir“, soll uns Gefühle, Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken präsentieren und bei dem Leser eine Identifikation oder Ablehnung erschaffen. Es fällt auch die innere Gliederung in zwei Sinneinheiten bei denen der Perspektivenwechsel deutlich wird 1 – 14 „Wir“, 15-22 „Volk“ und das lyrische Ich zeigt sich als Kollektiv.

    Bei dem vorliegenden Gedicht handelt es sich um ein Erzählgedicht, da hier vom alltäglichen des Dichters aus der damaligen Zeit berichtet wird als er dieses Gedicht verfasst hat. Man erkennt es ab der Verse 15, da hier in der Gegenwart berichtet, wie das lyrische Ich aus seiner Zeit sein Umfeld wahrnimmt. Bei dem Gedicht handelt es sich um eine einzige Strophe, die aus 22 reimlosen Versen zusammengesetzt ist und weist kein Bestimmtes Metrum auf. Die meisten Versen sind kurz gehalten, bis auf die Versen 2,4 und 13. Es gibt insgesamt 6 Enjambements die unterschiedliche Kadenzen aufweisen. Der Dichter wollte den Sinnzusammenhang über die Versgrenze weiterführen, die Monotonie des Versmaßes, der sonst im Zeilenstil Satz und Vers vereint, wird durchbrochen. Das Enjambement in der Zeile 1 – 4 weisen Kadenzen in der Reihenfolge männlich, weiblich, männlich weiblich auf. Hier sollen Der Frühling, so wie er früher war, beschrieben werden. Es fällt auf, das die 4 Verse durch seine ausufernde Länge die kraftvolle Entfaltung des Frühjahrs. In der Zeile 5 – 9 sind es überwiegend weibliche Kadenzen, außer in der Zeile 8, die ist männlich. In diesem Enjambement werde unsere Erinnerungen aufgerufen. Die Zeilensprünge in den kurzen Versen 5,6,7 und 8 betonen als Gegensatz zur Verse 4 die bruchstückhaften, fragmentarischen Erinnerungen an vergangene Frühlingstage. Das Enjambement in der Zeilen 10 – 14 enthält überwiegend weibliche Kadenzen, außer in der Zeile 11 und hier sollen die Erfahrungen anderer aufgerufen werden, Verse 10 „Noch lesen wir in Büchern“. Im nächsten Enjambement, Zeile 15 u. 16, sind es weibliche Kadenzen und in der Zeilen 17 u. 18 sind es eine weiblich und eine männliche. Im letzten Enjambement, Zeile 19 – 22, sind es nur weibliche. In den letzten 3 Enjambements wird beschrieben, wie wir heute das Frühjahr wahrnehmen Verse 15 „sitzend in Eisenbahnen“ oder Verse 19 – 22. Die Zweite Verse weist als einzige eine Zäsur auf.

    Beim Lesen des Gedichtes assoziiert man in den Versen 4,5,6 und 7 sehr hellen Farben, die das Frühjahr beschreiben und ab Zeile 8 werden die Farben immer dunkler. In Verse 2 wird die Metapher „uns stürzten auf“ verwendet, um die zerstörerische Gier des Menschen zu betonen.

    Das Gedicht „Über das Frühjahr“ beschreibt die immer weiter voran schreitende Entfremdung des Menschen von der Natur. Dem traurigen Ton nach zu urteilen, ist der Dichter nicht mit seinem Empfinden allein, sondern auch die restliche Gesellschaft sich wieder nach positiver Veränderung sehnt, denn der Frühling symbolisiert einen Neuanfang. Dieses Empfinden ist typisch für die Menschen der Weimarer Republik, da ihr Leben durch den verlorenen Krieg o. Die Weltwirtschaftskrise traurig und deprimierend ist und sie sich sehnen nach einem Neuanfang.

  • Zitat

    In seinem Gedicht schlüpft der Dichter in die Rolle des Erzählers, ohne dabei in das Geschehen einzugreifen.

    Ich finde, du müsstest zuerst eine strukturierte Inhaltsangabe machen, damit man weiß, was in dem Text drinsteht, und damit du deiner Aufgabe gerecht werden kannst. Du kannst nicht sofort mit einer Interpretation anfangen. Man fragt sich doch als Leser sofort: welches Geschehen denn? Das Geschehen ist doch noch total unklar.

    Überhaupt, woher willst du das wissen, dass der Dichter in eine Rolle schlüpft? So ein Satz passt vielleicht zum Erzählverhalten in einer Kurzgeschichte. Autor und lyrisches Ich sind nicht unbedingt identisch.


    Zitat

    Bei dem vorliegenden Gedicht handelt es sich um ein Erzählgedicht, da hier vom alltäglichen des Dichters aus der damaligen Zeit berichtet wird als er dieses Gedicht verfasst hat.

    Zitat

    Dem traurigen Ton nach zu urteilen, ist der Dichter nicht mit seinem Empfinden allein, sondern auch die restliche Gesellschaft sich wieder nach positiver Veränderung sehnt, denn der Frühling symbolisiert einen Neuanfang. Dieses Empfinden ist typisch für die Menschen der Weimarer Republik, da ihr Leben durch den verlorenen Krieg o. Die Weltwirtschaftskrise traurig und deprimierend ist und sie sich sehnen nach einem Neuanfang.



    Ich weiß nicht, was du hier machst. 1) Entspricht das überhaupt nicht deiner Aufgabenstellung. Du sollst Inhalt und Form beschreiben. 2) Ist das doch wohl ein Witz. 1928 befinden wir uns in den "Goldenen 20ern". Niemand in der Weimarer Republik hat das so empfunden. Es entspricht auch nicht dem "Alltäglichen" der "damaligen Zeit". Das Gedicht ist eine Fiktion. Brecht tut so, als würde in einer fernen Zukunft niemand mehr einen Frühling kennen. Als würden die Menschen den Frühling nur noch aus der Erinnerung und vom Lesen her kennen. Als würden sich durch die Ausbeutung der Natur die Jahreszeiten ändern. Und du musst nun beschreiben, wie er das macht. Vers für Vers durchgehen und die Gestaltung aufzeigen:


    Zitat

    Lange bevor wir uns stürzten auf Erdöl, Eisen und Ammoniak, gab es in jedem Jahr die Zeit der unaufhaltsam und heftig grünenden Bäume.

    Durch Enjambements werden bestimmte Stellen des Satzes betont: "Lange bevor" (V.1 Märchenhafter Anfang, "es war einmal", vor langer Zeit, lang ist es her) und "gab es in jedem Jahr" (V.3, Alliteration, selbstverständliche Kontinuität, verloren gegangener Rhythmus, unglaublich: ja, wirklich jedes Jahr").

    Es sind aber nicht nur die Enjambements, die bestimmte Stellen betonen. Dasselbe geschieht durch eine Inversion; richtig hieße der Satz: "Lange bevor wir uns auf Erdöl, Eisen und Ammoniak stürzten". "Stürzten" wird vorgezogen und erfährt durch die ungewohnte Wortstellung eine Betonung (die Menschen stürzten sich = Verlangen/Gier).

    "Erdöl, Eisen, Ammoniak" = Trikolon. Exemplarische Zusammenfügung, symbolisch für Rohstoffe/Bodenschätze - industrielle Fertigung - chemische Erzeugnisse. Industrialisierung.

    "Die Zeit der unaufhaltsam und heftig grünenden Bäume" - antithetische Adverbialverwendung. Die vergangene Zeit steht im Widerspruch zur Unaufhaltsamkeit und Heftigkeit des Grünens. Das Grünen wird adverbial zweifach gesteigert, um den Widerspruch zur verlorenen/veränderten Vergangenheit deutlich zu machen.


    Auf diese Weise müsste man sich das Gedicht m.E. erarbeiten.